Wie die Temperatur die Messgenauigkeit von Videomessgeräten beeinflusst

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Geschrieben von

Anonymous

Veröffentlicht
Aug 27 2026
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Bei präzisen Dimensionsmessungen ist die Temperatur einer der häufigsten, aber oft übersehenen Faktoren, die die Messergebnisse beeinflussen. Alle Dimensionsnormen sind bei einer Referenztemperatur von 20 °C definiert, doch in der Praxis lässt sich diese Bedingung häufig nicht konstant aufrechterhalten. Dies führt zu Messabweichungen, die bei Präzisionsprüfungen nicht vernachlässigt werden dürfen.

1. Unterschiede im linearen thermischen Ausdehnungskoeffizienten

Verschiedene Werkstoffe reagieren unterschiedlich stark auf Temperaturänderungen, was sich in ihren linearen Wärmeausdehnungskoeffizienten deutlich zeigt. Die ungefähren Werte für gängige Werkstoffe sind: Aluminiumlegierung ca. 23 × 10⁻⁶/°C, Stahl ca. 11 × 10⁻⁶/°C und Kupferlegierung ca. 17 × 10⁻⁶/°C. Der Wärmeausdehnungskoeffizient von Aluminiumlegierungen ist etwa doppelt so hoch wie der von Stahl. Das bedeutet, dass sich die Abmessungen eines Aluminiumwerkstücks bei gleicher Temperaturänderung doppelt so stark verändern wie die eines Stahlwerkstücks.

Nehmen wir ein 100 mm langes Aluminiumwerkstück als Beispiel: Weicht die Umgebungstemperatur um 5 °C von den Standardwerten von 20 °C ab, beträgt die Maßänderung etwa: 100 mm × 23 × 10⁻⁶/°C × 5 °C = 0,0115 mm. Bei Präzisionswerkstücken mit Toleranzen im Bereich von ±0,01 mm übersteigt die allein durch die Temperatur verursachte Maßänderung bereits den gesamten Toleranzbereich. Wird die Temperatur während der Messung nicht kontrolliert oder kompensiert, verlieren die Ergebnisse ihre Aussagekraft für die Gut/Schlecht-Bewertung.

2. Thermische Drift des Instruments selbst

Neben den Maßänderungen des Werkstücks weist auch die Videomessmaschine selbst eine thermische Drift auf. Nach dem Einschalten erhöht die von der Lichtquelle, den Antriebsmotoren und anderen Komponenten erzeugte Wärme die Temperatur von Strukturelementen wie der Z-Achsen-Säule, der linearen Skala und dem Objektivtubus, was zu thermischen Verformungen führt. Konkret bedeutet dies: Die Z-Achsen-Säule dehnt sich bei Erwärmung axial aus, was die Position der Fokusebene und den Messbezugspunkt der Z-Achse direkt beeinflusst; die thermische Ausdehnung der linearen Skala verändert deren Teilungsabstand und beeinträchtigt somit die Genauigkeit der Koordinatenanzeige; und die thermische Verformung des Objektivtubus kann geringfügige Änderungen der Vergrößerung und der Brennweite verursachen.

Die kombinierte Wirkung dieser thermischen Driftphänomene führt dazu, dass dasselbe Werkstück unterschiedliche Messergebnisse liefern kann, je nachdem, ob die Messung unmittelbar nach dem Einschalten oder nach einer gewissen Betriebszeit erfolgt. Daher sollte das Gerät vor der eigentlichen Messung ausreichend aufgewärmt werden, damit alle Komponenten das thermische Gleichgewicht erreichen. Die erforderliche Aufwärmzeit hängt von der Gerätekonstruktion und den Umgebungsbedingungen ab; im Allgemeinen wird eine Stabilisierungszeit von mindestens 30 Minuten nach dem Einschalten empfohlen, vorbehaltlich der Angaben in der Bedienungsanleitung des Geräts.

3. Temperaturgleichgewicht im Werkstück

Der Temperaturausgleich des Werkstücks mit der Umgebung ist ebenso wichtig. Ein Werkstück, das gerade aus der Bearbeitungsmaschine entnommen wurde, kann wärmer als die Umgebungstemperatur sein (aufgrund der Zerspanungswärme) oder kälter (aufgrund von Kühlmittelresten). Wird ein solches Werkstück direkt zur Prüfung auf den Messtisch gelegt, unterliegt es während der Messung weiterhin Temperatur- und Dimensionsänderungen, was zu instabilen Ergebnissen führt.

Die korrekte Vorgehensweise besteht darin, das Werkstück vor der Messung ausreichend lange in der Prüfumgebung zu platzieren, damit sich seine Temperatur vollständig an die Umgebungstemperatur angleichen kann. Bei Werkstoffen mit hohen Ausdehnungskoeffizienten, wie z. B. Aluminiumlegierungen, sollte die Angleichungszeit entsprechend verlängert werden. Ob der Temperaturausgleich ausreichend ist, lässt sich durch Messung der Differenz zwischen der Werkstückoberflächentemperatur und der Umgebungstemperatur mithilfe eines Kontaktthermometers feststellen.

4. Temperaturregelung für Chargenmessungen

Bei der Messung derselben Werkstückcharge sollten die Messungen möglichst unter gleichen Umgebungstemperaturbedingungen durchgeführt werden. Wird ein Teil der Charge vormittags und ein anderer Teil nachmittags bei unterschiedlichen Umgebungstemperaturen gemessen, entsteht eine systematische Temperaturabweichung zwischen den beiden Datensätzen, die die Konsistenz und Vergleichbarkeit innerhalb der Charge beeinträchtigt.

Sofern die Bedingungen es zulassen, sollte der Messbereich mit einer Temperaturregelung ausgestattet sein, um die Umgebungstemperatur bei etwa 20 °C zu halten und Temperaturschwankungen zu minimieren. Für hochpräzise Messungen sollte die Umgebungstemperatur innerhalb von ±1 °C liegen. Einige Geräte unterstützen Temperaturkompensationsfunktionen, indem sie Temperatursensoren zur Erfassung der Umgebungstemperatur in Echtzeit nutzen und die Messergebnisse softwareseitig korrigieren. Die Genauigkeit dieser Kompensation hängt jedoch von der Repräsentativität der Temperaturdatenerfassung und der Vollständigkeit des Kompensationsmodells ab.

5. Thermische Eigenschaften von Strukturwerkstoffen

Die Materialwahl für die Basisstruktur des Messgeräts hat langfristigen Einfluss auf die Temperaturstabilität. Granit weist einen niedrigen und gleichmäßigen linearen Wärmeausdehnungskoeffizienten (ca. 4–8 × 10⁻⁶/°C) auf und zeigt im Gegensatz zu Metallen keine Spannungsentlastungsprobleme. Dadurch bietet er im Vergleich zu Gusseisen eine überlegene Langzeit-Dimensionsstabilität. Das JATEN JTDIM-200 verwendet eine Granitstruktur als Instrumentenbasis (auf der offiziellen Website als „stabile Granitstruktur“ bezeichnet), kombiniert mit präzisen linearen Skalen. Dies trägt dazu bei, den Einfluss thermischer Verformungen auf die Messgenauigkeit in Standard-Prüfumgebungen zu reduzieren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Temperaturkontrolle eine grundlegende Voraussetzung für die Genauigkeit von Bildmessungen ist. Zu den Standardverfahren gehören: die Aufrechterhaltung einer stabilen Umgebungstemperatur im Messraum, das Aufwärmen des Geräts nach dem Einschalten bis zum thermischen Gleichgewicht, das Sicherstellen eines ausreichenden Temperaturausgleichs des Werkstücks vor der Messung, die Durchführung von Messungen desselben Messdurchgangs unter identischen Bedingungen und die Aktivierung der Temperaturkompensation, falls erforderlich.

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